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Eine Pottbirne in Mainz (KUZ am 27./28. August)
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Ruhrpott-Grufties sind wählerisch, arrogant, verwöhnt und
bodenständig...
Und zwar mit Recht, bedenkt man die flächendeckende und einzigartige
Anzahl hervorragender Clubs an Rhein und Ruhr. Dementsprechend
voreingenommen, ließ ich mich dennoch auf das Abenteuer ein, für einen
Samstag mein geliebtes Jagdrevier Ruhrgebiet zu verlassen, um das
Kulturzentrum Mainz zwecks „Dark Awakening“ (featuring DJ Dirk
Neveling) mit kritischer Anwesenheit zu beglücken. Die Erwartungen waren nicht gerade hoch, denn als regelmäßiger Zeche-Bochum-Gänger bin ich Kummer gewohnt und weiß, dass die Playlist des DJ Neveling hin und wieder stark von dessen Tagesform abhängt. Und dann auch noch in einem „Kulturzentrum“: Was um alles in der Welt hat das denn mit Kultur zu tun, wenn Neveling auflegt ;-) ? Außerdem: Tragen anständige Läden nicht eher coole Namen wie „Matrix“, „Stahlwerk“, „Sixx-PM“ oder von mir aus auch „Eisenlager“?
Um es vorweg zu nehmen: Selten zuvor hat sich meine Skepsis so schnell in Luft (besser: in Muskelkater) aufgelöst wie in der Nacht vom 27. zum 28. August. Hätte da irgendwo ein Kreuz gestanden (richtig- oder falschrum), ich wär’ demütig hin gekrochen.
Doch der Reihe nach: Zum Eintritt und den Getränkepreisen kann ich im Nachhinein nicht mehr allzu viel sagen, meine aber, ca. fünf Mücken am Eingang gelatzt zu haben. Weiterhin sollte man ungefähr den selben Betrag für’s Parkhaus einplanen, steht dort dann aber stressfrei und vor Vandalisten sicher. Nähere Infos dazu gibt bestimmt die HP her.
Keine Verzehrkarten, cash is’ angesagt. Dafür bekommt man einen trendigen UV-Stempel auf die Kralle, kann demnach das Gelände auch zwischendurch verlassen. Schon beim Betreten fällt die Weitläufigkeit des Areals auf: Breite Stahltore führen vom riesigen open-air-Biergarten (mit massig Sitzmöglichkeiten und bombastischer Grillstation) in die unterschiedlichen Räumlichkeiten. Insgesamt habe ich eine große und eine kleinere Halle (jeweils mit Getränketheken), eine Cocktail-Bar (jahaa...feudal geht’s zu in Mainz) sowie einen Kneipen- bzw. Chillout-Bereich gezählt – inklusive Garderobe und ausreichend Toiletten, versteht sich. Breite Gänge, wenig Türen und clever platzierte Tresen garantieren jederzeit problemloses Durchkommen sowie Zugang zum Bier ohne nennenswerte Wartezeiten – sehr angenehm, erinnert man sich doch an das eine oder andere „Nadelöhr“ (bspw. in der Zeche Carl) oder an’s Schlangestehen bis kurz vor’m Verdursten.
Mittels Glas- und Flaschenpfand ist weiterhin gewährleistet, dass nix auf dem Boden kullert (mit Ausnahme des einen oder anderen Elektro-Freaks in Ekstase *g*), was „drei-Schritt-vor-drei-zurück“ zum Hürdenlauf werden lässt. Apropos Boden: Ein dickes Plus für massiven, stumpfen Beton! Man steht in den Hallen sowas von sicher, rutscht auch auf Pfennigabsätzen keinen Millimeter (Um eventuellen Fragen gleich vorzubeugen: Nein, ich habe an diesem Abend ausnahmsweise keine Pömps getragen :-P), und verschüttete Getränke, Schweiß, Tränen oder was weiß ich für Flüssigkeiten versickern binnen kurzer Zeit. Klasse Erfahrung, wenn man eher die Eiskunstlauf-Fläche aus’m Sixx gewöhnt ist.
Beleuchtungstechnisch meinen die „dunkel“ todernst, zumindest auf der Tanzfläche: Kein Laser- bzw. Punktstrahler-Geflacker, spartanischer Einsatz der Spots, und auch Knicklampen an Händen und Füßen habe ich dort beruhigend wenig gesehen. Ansonsten gibt das Publikum alles her, was Ottonormal-Gruftie als Schlüsselreiz braucht: jede Menge Streifenhörnchen, undercuts, Lack und Leder und Fast-Nix-Trägerinnen *lechz*.
Endlich zum Wesentlichen: die Musik!!! Hab’ mich schon nach ein paar Minuten Anwesenheit ernsthaft gefragt, ob DJ Neveling irgendwo einen guten (oder bösen, je nach Perspektive) Zwilling hat, den er jeden vierten Samstag aus dem Keller sperrt und nach Mainz schickt. Übergänge wie mit Butter geschmiert, Wave-Phasen da, wo sie angebracht waren, hernach stetige Steigerung der BPM-Parameter (inklusive ausreichenden Verweilens in der Synthi-Ecke) sowie ausgewogenes Verhältnis zwischen Old School und New Kindergarten sind nur einige Attribute, die meinen Unterkiefer stark in Richtung Erdmittelpunkt drückten. Da wurde mit der groben Kelle z.B. verfrontet und genitzert, Rotersand verstreut, rumge:sitd:et, Feind geflogen etc. und auch die Kollegen von der „Pieps & Schepper“-Fraktion kriegten ordentlich auf die Zwölf. Kann mich um’s Verrecken nicht erinnern, wann ich das letzte Mal dreißig Minuten Dauer-Dancing absolviert hab’.
Gott sei Dank steht man nach ein paar Schritten von der Tanzfläche weg schon unter freiem Sternenhimmel und hat somit wenigstens die Illusion, irgendwann auch wieder trocken zu werden. Was auch immer Herr Neveling an dem Abend gegessen, getrunken, geraucht, gesnieft, gespritzt oder sonstwie eingeführt hat – bitte, bitte hinterlegt ähnlichen Stoff diskret am DJ-Pult der Zeche Bochum. Es lohnt sich. Abschließendes Fazit: Daumen bzw. Satanszeichen hoch für das KUZ in Mainz am vierten Samstag des Monats. Die Jungs da unten wissen definitiv, wo Bartel den Heinz-Schenk-Gedächtnis-Äppelwoi holt (Das Zeug gibt’s da echt zu trinken, hab’ mich aber nich’ getraut *g*). Tausend Dank und liebe Grüße an Ihre Hoheit Zarin dunkelbunt, Zarewitsch naglfari (Obacht, Mädels...strunzcooler Typ), die umwerfend schöne Bastet nebst Brüderchen, BloodyMary und ihren EBM-Gott sowie an alle, deren nicknames ich mir in der Aufregung nicht wirklich merken konnte – gelobe ernsthaft Besserung. I’ll be back! Manni
Veröffentlicht von manmachine73 am 29.08.2005, 15:08
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